Adresse: Waldfriedhof – Abteilung 18
Waldfriedhof 3, 70597 Stuttgart
Zugang: Öffnungszeiten städtische Friedhöfe
Eigentum: Erhaltenswerte Grabstätte der Stadt Stuttgart
Beisetzung: 1973
© Beate Müller
Ernst Guggenheimer (1880–1973) war ein deutsch-jüdischer Architekt aus Stuttgart, der maßgeblich am Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde in der Nachkriegszeit beteiligt war.
Nach dem Abitur an der Friedrich-Eugens-Realanstalt begann er 1898 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Stuttgart, das er 1902 erfolgreich abschloss. Sieben Jahre später legte er das Zweite Staatsexamen ab und wurde zum Assessor im öffentlichen Bauwesen ernannt.
Ab 1909 arbeitete Guggenheimer in Stuttgart als freier Architekt, zunächst gemeinsam mit dem Schweizer Oskar Bloch. Während des Ersten Weltkriegs leistete er freiwilligen Militärdienst. 1919 heiratete er Frieda Wilhelmine Schaper; das Paar hatte zwei Söhne.
Die nationalsozialistische Kulturpolitik schloss ihn 1934 von der Berufsausübung aus. Er musste sein Haus verkaufen und zog zeitweise ins Umland. In den folgenden Jahren war er offiziell nicht mehr als Architekt tätig. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde er gezwungen, am Abriss der zerstörten Alten Synagoge mitzuwirken. 1939 wurde seine Ehe auf Grundlage der NS-Gesetzgebung aufgehoben. Während des Zweiten Weltkriegs war er als Hilfsarbeiter beschäftigt und überlebte die NS-Verfolgung im Untergrund.
Nach 1945 kehrte Guggenheimer in seinen Beruf zurück und eröffnete sein Architekturbüro erneut. 1946 wurde er Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung für Württemberg-Baden. In dieser Zeit gestaltete er den Neubau der Synagoge in der Hospitalstraße in Stuttgart mit. Er arbeitete bis in die 1950er-Jahre, unter anderem in Partnerschaft mit dem Architekten Voigt. 1959 erhielt er den Ehrentitel eines Titularprofessors an der Technischen Hochschule Stuttgart.
Ernst Guggenheimer starb am 12. September 1973 in Stuttgart.
Siehe auch:
Ernst Guggenheimer – Wikipedia
https://deu.archinform.net/arch/65117.htm
Text: Beate Müller
Publiziert am: 25. Mai 2026
