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Grabstätte Friedrich Sieburg

    Adresse: Waldfriedhof – Abteilung 2a
    Waldfriedhof 3, 70597 Stuttgart
    ZugangÖffnungszeiten städtische Friedhöfe
    Beisetzung: 1964
    © Beate Müller

    Dr. Friedrich Sieburg wurde am 18. Mai 1893 in Altena als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren. Nach dem Besuch eines Realgymnasiums und eines humanistischen Gymnasiums in Düsseldorf nahm er 1912 ein Studium der Philosophie, Geschichte, Literatur und Nationalökonomie in Heidelberg auf. Während des Ersten Weltkriegs diente er zunächst als Infanterist, später als Fliegeroffizier.

    Nach seiner Promotion im Jahr 1919 lebte Sieburg als freier Schriftsteller in Berlin und betätigte sich unter anderem als Filmkritiker. 1926 wurde er Auslandskorrespondent der Frankfurter Zeitung in Paris, später auch in London. Mit seinem Bestseller Gott in Frankreich? (1929) wurde er einem breiteren Publikum bekannt.

    In den frühen 1930er Jahren näherte sich Sieburg dem jungkonservativen Milieu an und publizierte in entsprechenden Zeitschriften. In Es werde Deutschland (1933) vertrat er nationalkonservative Positionen und übte Kritik am Liberalismus. Das Werk entstand in einer Phase politischer Neuorientierung und wird in der Forschung als Ausdruck seiner Annäherung an den Nationalsozialismus eingeordnet.

    Trotz anfänglicher Distanz bekannte sich Sieburg nach 1933 öffentlich zum Nationalsozialismus. Zeitgenössische Emigranten kritisierten ihn deshalb als Propagandisten, während er in privaten Äußerungen auch Vorbehalte gegenüber dem Regime erkennen ließ.

    1939 trat Sieburg in den Auswärtigen Dienst ein und war ab 1940 als Sonderbeauftragter an der deutschen Botschaft in Brüssel tätig. 1941 wurde er Mitglied der NSDAP, bestritt diese Zugehörigkeit nach Kriegsende. Bis zum Verbot der Frankfurter Zeitung 1943 blieb er journalistisch tätig, danach unter anderem für die Börsenzeitung.

    Nach 1945 belegte ihn die französische Besatzungsmacht bis 1948 mit einem Publikationsverbot. Anschließend kehrte Sieburg in den Literaturbetrieb zurück, wurde 1949 Mitherausgeber der Zeitschrift Die Gegenwart und später Feuilletonist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In seinen Nachkriegsschriften distanzierte er sich vom Nationalsozialismus, blieb jedoch konservativ geprägt. Er galt als einflussreicher Literaturkritiker der Bundesrepublik, unterstützte die Politik Konrad Adenauers und trat als scharfer Kritiker der Gruppe 47 hervor.

    Sieburg starb am 19. Juli 1964 in Gärtringen.

    Siehe auch:
    Friedrich Sieburg – Publizist, Kritiker, Nazi-Karrierist

    Text: Beate Müller
    Publiziert am: 27. Juli 2026