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Grabstätte Rüdinger und Schleicher mit Erinnerung an Rüdiger Schleicher

    Adresse: Pragfriedhof – Abteilung 6
    Friedhofstraße 44, 70191 Stuttgart
    Zugang: Öffnungszeiten städtische Friedhöfe
    @ Beate Müller

    Prof. Dr. Rüdiger Schleicher wurde am 14. Januar 1895 in Stuttgart geboren. Nach dem Abitur am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium leistete er Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und wurde an der Westfront schwer verwundet. Die dabei erlittene Beinverletzung führte zu einer dauerhaften körperlichen Beeinträchtigung. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen und wurde 1923 promoviert.

    Ebenfalls 1923 heiratete er Ursula Bonhoeffer, eine Schwester von Dietrich und Klaus Bonhoeffer. Schleicher bekannte sich zu den politischen Grundsätzen der Weimarer Republik und war beruflich auf dem Gebiet des Luftrechts tätig. Er leitete die Rechtsabteilung des Reichsluftfahrtministeriums, war Honorarprofessor sowie Direktor des Instituts für Luftrecht und Herausgeber des Archivs für Luftrecht.

    1933 trat Schleicher unter politischem Druck der NSDAP bei. Ungeachtet seiner formalen Parteimitgliedschaft entwickelte er eine kritische Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime. Die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, die Einschränkung kirchlicher Freiheiten sowie die Missachtung rechtsstaatlicher und völkerrechtlicher Grundsätze führten zu seiner Annäherung an Kreise des deutschen Widerstands. Im beruflichen und privaten Umfeld unterstützte er Kontakte zwischen Angehörigen des Widerstands und beteiligte sich an Überlegungen für die politische Neuordnung Deutschlands nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft.

    Als Jurist setzte sich Schleicher für die Einhaltung des Völkerrechts und humanitärer Grundsätze ein. Bereits vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wandte er sich gegen Bestrebungen, das geltende Kriegsvölkerrecht einzuschränken, und sprach sich für die Wahrung der Menschenwürde sowie einen menschenwürdigen Umgang mit Kriegsgefangenen aus.

    Im Zusammenhang mit den Ermittlungen nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Schleicher am 4. Oktober 1944 verhaftet. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn am 2. Februar 1945 zum Tode. In der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945 wurde er gemeinsam mit weiteren Angehörigen des Widerstands von einem SS-Kommando erschossen.

    Siehe auch:
    NS-Reichsministerien
    www.leo-bw.de
    www.gdw-berlin.de

    Text: Beate Müller
    Publiziert am: 4. Juli 2026