Adresse: Waldfriedhof – Abteilung 14r
Waldfriedhof 3, 70597 Stuttgart
Zugang: Öffnungszeiten städtische Friedhöfe
Beisetzung: 1953
© Beate Müller
D. Theophil Heinrich Wurm wurde am 7. Dezember 1868 in Basel geboren. Nach dem Theologiestudium in Tübingen trat er 1894 in den kirchlichen Dienst. Wurm engagierte sich früh in der Inneren Mission und setzte sich für die soziale Lage der Arbeiter ein. Politisch war er konservativ-national eingestellt und stand zeitweise der Christlich-Sozialen Partei nahe.
Nach Stationen in Stuttgart und Ravensburg wurde er 1929 zum Kirchenpräsidenten der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gewählt und 1933 zum Landesbischof ernannt. Er wohnte mit seiner Familie in Stuttgart.
Wie viele Kirchenführer begrüßte Wurm anfangs die nationalsozialistische „Machtergreifung. Er zeigte zunächst Sympathien für die „Deutschen Christen“. Mit der Machtübernahme Ludwig Müllers als Reichsbischof (1933) und der beginnenden Gleichschaltung der Kirchen kam es jedoch zur Abkehr.
Wurm widersetzte sich der Unterstellung seiner Landeskirche unter das Reichskirchenamt. 1934 wurde er beurlaubt, in den Ruhestand versetzt und unter Hausarrest gestellt, jedoch nach öffentlicher Solidarität rehabilitiert. Er schloss sich der Bekennenden Kirche an und nahm an der Gründungssynode 1934 teil. Dabei vertrat er eine eher gemäßigte Linie im Gegensatz zu radikaleren Kräften um Martin Niemöller.
Trotz seiner konservativen Haltung lehnte Wurm die Novemberpogrome 1938 klar ab. Während des Zweiten Weltkriegs äußerte er sich zunehmend kritisch gegenüber dem NS-Staat und protestierte unter anderem gegen die Euthanasie-Morde und die Judenverfolgung. Kontakte bestanden zu Widerstandskreisen wie dem Kreisauer Kreis und dem Goerdeler-Kreis, jedoch beteiligte er sich nicht an konkreten Umsturz- oder Attentatsplänen.
Nach Kriegsende kehrte Wurm nach Stuttgart zurück und hielt am 10. Mai 1945 einen ersten öffentlichen Gottesdienst. Er wirkte maßgeblich an der Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit und wurde 1945 erster Vorsitzender des Rates der EKD.
Nach dem Krieg geriet sein Auftreten auch in die Kritik, da er sich stark für deutsche Kriegsverurteilte einsetzte und Vorbehalte gegen die Entnazifizierung äußerte. 1948 trat er als Ratsvorsitzender zurück und ging als Landesbischof in den Ruhestand.
Siehe auch:
Stadtlexikon Stuttgart
Evangelische Christinnen und Christen im Nationalsozialismus
Gedenktafel Landesbischof Theophil Wurm
Text: Beate Müller
Publiziert am: 25. Mai 2026

