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Gedenkstein Lina Hähnle

    Adresse: Kräherwald – Lina-Hähnle-Weg
    Am Kräherwald 190, 70193 Stuttgart
    Zugang: öffentlich
    Einweihung: 1952
    © Beate Müller

    Lina Hähnle wurde am 3. Februar 1851 in Sulz am Neckar geboren. Am 1. Februar 1899 gründete sie in Stuttgart den Bund für Vogelschutz (BfV), der heute als Naturschutzbund Deutschland (NABU) bekannt ist. Sie führte den Verband von Beginn an nahezu vierzig Jahre lang als Vorsitzende.

    Nach dem frühen Tod ihres Vaters zog die Familie nach Tübingen um. Im Jahr 1871 heiratete Lina Hähnle ihren Cousin Hans Hähnle, der als Fabrikant tätig war und später auch als Abgeordneter der nationalliberalen Deutschen Volkspartei im Reichstag saß. Gemeinsam bekamen Lina und Hans Hähnle acht Kinder: sechs Söhne und zwei Töchter. Die Familie wohnte in einer stattlichen Villa in Stuttgart.

    Nach 1933 verhielt sich Lina Hähnle gegenüber dem NS-Regime ambivalent. Sie trat der NSDAP nicht bei, passte sich jedoch in gewissem Maße an, etwa durch ihren Eintritt in die NS-Frauenschaft. Im Jahr 1935 wurde der Bund für Vogelschutz in „Reichsbund für Vogelschutz“ (RfV) umbenannt, organisatorisch an die Vorgaben des nationalsozialistischen Regimes angepasst und arbeitete mit verschiedenen NS-Organisationen zusammen.

    Um eine Auseinandersetzung mit der eigenen Verbandsgeschichte zu ermöglichen, ließ der NABU Anfang 2024 eine wissenschaftliche Untersuchung erstellen. Auf Basis aktueller Forschung wurde darin sowohl Lina Hähnles Wirken als auch die Entwicklung des Naturschutzes und seiner Organisationen während der NS-Zeit neu eingeordnet. Die Ergebnisse legen nahe, dass Hähnle zentrale Elemente der nationalsozialistischen Ideologie, insbesondere Rassismus und Antisemitismus, nicht teilte. Zugleich war ihre Familie unmittelbar von der nationalsozialistischen Gewaltpolitik betroffen: Ihr Sohn Reinhold wurde 1940 im Zuge des „Euthanasie“-Programms ermordet.

    Lina Hähnle verstarb 1941 in Giengen an der Brenz, zwei Tage vor ihrem 90. Geburtstag.

    Im Jahr 1952 wurde im Kräherwald, unweit des Vereinsgeländes des MTV Stuttgart, ein Gedenkstein zu Ehren von Lina Hähnle errichtet. Vom Parkplatz aus ist dieser in etwa sechs Gehminuten erreichbar (zweiter Abzweig rechts).

    Siehe auch:
    Porträt Lina Hähnle – NABU
    LzpB – Baden-Württemberg

    Text: Beate Müller
    Publiziert: 16. April 2026